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Durchfall

Hygienemaßnahmen gegen Giardien

Giardia intestinalis Giardia intestinalis ist ein Durchfallerreger bei Hund, Katze und Mensch. © iStockphoto.com/ Eraxion

Durchfall

Wenn Hunde und Katzen Giardien beherbergen, ist es mit einem Medikament allein oft nicht getan. Um den auch für Menschen ansteckenden Parasiten wieder loszuwerden, sind besondere Hygienemaßnahmen wichtig.

Was sind Giardien?

Giardien sind Einzeller, die im Dünndarm von Haustieren und Menschen (seltener Wildtieren) parasitieren. Vor allem bei Jungtieren, Kindern oder immunsupprimierten Personen können Giardien schweren oder gar lebensbedrohlichen Durchfall verursachen — dies passiert aber selten. Meist kommt es zu gar keinen Symptomen oder nur zu leichtem Durchfall, der immer mal wieder auftritt oder sich über Wochen hinziehen kann.

Die bei Hund, Katze und Mensch Probleme verursachenden Giardien sind unter den Synonymen Giardia intestinalis, Giardia lamblia oder Giardia duodenalis bekannt und in unserer Umwelt sehr verbreitet. Unter ihnen gibt es verschiedene "Genotypen", von denen nur wenige der bei Hunden und Katzen vorkommenden Giardien-Genotypen für Menschen infektiös sind.  

Weshalb sind Giardien so schwer wieder loszuwerden?

Eigentlich gibt es gegen Giardien gut wirksame Medikamente, welche die Parasiten abtöten. Trotzdem werden viele Tierbesitzer unangenehm überrascht, weil schon wenige Tage nach der Behandlung wieder Giardien im Kot ihres Vierbeiners nachweisbar sind. Wie kann das sein?

Häufig infizieren sich frisch behandelte Hunde und Katzen sofort wieder mit Giardien in ihrer unmittelbaren Umgebung. Die sehr widerstandsfähigen Zysten des Parasiten sitzen zum Beispiel im Fell der Analregion, in den Decken und Kissen oder an Napf und Spielzeug. Langfristig wird Ihr Haushalt also nur wieder giardienfrei, wenn Sie es schaffen, diese Giardienzysten zu eliminieren.

 

Wie lassen sich Giardien abtöten?

Giardien-Zysten können in feucht-warmer Umwelt monatelang infektiös bleiben. Temperaturen über 25°C, Trockenheit und Frost unter -4°C lassen sie innerhalb einiger Tage absterben. Gegenüber den üblichen Desinfektionsmitteln und Hygienespülern zeigen sich Giardien jedoch erstaunlich widerstandsfähig, selbst in Kläranlagen bedarf es spezieller Filtermethoden, um Abwasser giardienfrei zu bekommen. Es gibt nur wenige gegen Giardien zugelassene Desinfektionsmittel und die sind eigentlich für den Stallgebrauch gedacht, sodass sie eher für Zwinger und Tierheime als für den Haushalt infrage kommen.

Neben der Behandlung Ihres Tieres sollten Sie bei Giardienbefall also:

Alles was mit dem Tier in Kontakt kommt und kochbar ist, kochen (bzw. bei über 65°C waschen)! Alles andere mehrere Tage einfrieren!

Die wichtigsten Hygienemaßnahmen gegen Giardien im Überblick

Die ESCCAP* Experten listen in ihrem Leitfaden zur "Bekämpfung von intestinalen Protozoen bei Hund und Katze" vom April 2013 folgende Hygienemßanahmen auf:

Sinnvolle Maßnahmen zur Verhinderung der Übertragung auf andere Tiere und zur Prophylaxe einer Reinfektion sind:

  • Behandlung aller Tiere in einem Haushalt/Bestand, unabhängig davon, ob klinische Symptome vorliegen oder nicht. 
  • Aufsammeln von Kot und Entfernung des Kotes im geschlossenen Plastikbeutel über den Hausmüll. 
  • Gründliche Reinigung aller fäkal kontaminierten Oberflächen (Böden und Wände) mit anschließender vollständiger Abtrocknung, optimal ist der Einsatz von Dampfstrahlern (> 60 °C). 
  • Futter- und Trinkgefäße täglich mit kochendem Wasser säubern oder bei > 65 °C in der Spülmaschine reinigen. 
  • Katzentoilette täglich mit kochendem Wasser säubern und anschließend gründlich abtrocknen. 
  • Decken/Kissen heiß waschen (> 65 °C ). 
  • Spielzeug mit kochendem Wasser oder in der Spülmaschine > 65 °C reinigen. 
  • Kratzbäume gründlich absaugen und reinigen. 
  • Hunde ggf. auch Katzen gründlich baden und shampoonieren (z. B. mit chlorhexidindigluconathaltigen Produkten), um sie von anhaftenden Kotresten zu säubern, ggf. lange Haare im Analbereich scheren. 
  • Ggf. Desinfektion von Flächen/Gegenständen mit geeigneten Desinfektionsmitteln.
 Die aktuelle Desinfektionsmittelliste der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) kann angefordert werden unter www.dvg.net. Zu den dort gelisteten Desinfektionsmitteln mit Kokzidien-Wirkung (nicht speziell für Giardien-Zysten getestet) gehören derzeit Endosan Forte S Neu (H. Willhelm Schaumann) und Neopredisan 135-1 (Menno Chemie-Vertrieb GmbH). 

In Tierheimen/Zuchten/Zwingern sind folgende Maßnahmen zusätzlich sinnvoll:

  • Schulung und konkrete Anweisung des Pflegepersonals. 
  • Eingangsuntersuchung auf Giardien bei Tieren, die aufgenommen werden. 
  • Untersuchung bei Tieren, die zur Zucht eingesetzt werden. 
  • Untersuchung von Tieren, die unter Durchfällen leiden, ggf. Einleitung von Quarantänemaßnahmen. 
  • Feuchte Areale trockenlegen und nach Möglichkeit befestigen. 

Ganz wichtig ist, den Erfolg der Behandlung und der Hygienemaßnahmen tierärztlich überprüfen zu lassen. Deshalb sollten Sie einige Tage nach Ende der Medikamentengabe Kotproben Ihres Tieres in der Tierarztpraxis abgeben. 

*ESCCAP: European Scientific Counsel Companion Animal Parasites; www.esccap.de

Kann ich sonst noch etwas tun, damit mein Tier nicht wieder Probleme mit Giardien bekommt?

Diese Frage wird uns häufig gestellt, ist aber schwer zu beantworten. Sicher ist, dass Giardien bei gesunden Tieren häufig gar keine Probleme wie Durchfall verursachen. Gerade deshalb sind Giardien in der Umwelt so weit verbreitet: Es laufen viele Vierbeiner mit Giardien an Bord durch die Gegend, ohne dass jemand davon weiß, weil sie nicht krank sind.

Leider gibt es unseres Wissens nach keine wissenschaftliche Untersuchung die "messen" konnte, ob eine Stärkung des Immunsystems und Maßnahmen zur Förderung der Darmgesundheit bewirken, dass ein Tier die Erreger in Zukunft selbst wieder los wird oder toleriert. Wir empfehlen unseren Patientenbesitzern allerdings häufig, sich speziell um die Darmgesundheit Ihres Tieres zu kümmern, vor allem nach einer Behandlung mit Antibiotika. Denn das eine stabile gesunde Darmflora (Mikrobiom) es Krankheitserregern schwerer macht, sich im Darm einzunisten, ist hinlänglich bekannt. 

Sinnvoll ist zum Beispiel die Gabe eines Probiotikums nach der Behandlung mit Antibiotika. Auch Präbiotika (die den nützlichen Darmbakterien Nahrung liefern) sind empfehlenswert, am besten in Kombination mit einem Probiotikum. Unserer eigenen Erfahrung nach, kann auch die Fütterung von Kolostrum helfen, die Darmgesundheit sowie die Abwehrkraft zu fördern. Es hat ebenfalls probiotische Eigenschaften und trägt dazu bei, die Darmschranke zu stärken.

 

Mehr zum Thema Darmgesundheit und Immunstärkung können Sie in unserem Beitrag "Wie stärke ich das Immunsystem meines Hundes?" lesen.

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