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Fressverhalten

Die häufigsten Fehler bei der Hundefütterung

Frau fuettert Hund ©iStockphoto.com/ WilleeCole

Fressverhalten

Hand aufs Herz: Wie viel wissen Sie über das natürliche Fressverhalten Ihres Hundes? Wenig? Dann wird es höchste Zeit, das zu ändern, denn Ihr Verhalten am Fressnapf spielt im Leben Ihres Hundes eine zentrale Rolle.

Wir alle wollen unseren Hunden eigentlich nur Gutes. Und doch tun wir oft genau das Falsche, weil wir Irrtümern, Fehlschlüssen und überkommenen Vorstellungen in Punkto Hundefütterung erlegen sind. Bestimmt werden Sie sich bei dem einen oder anderen Fehler ertappt fühlen. Willkommen im Club!

Übergewicht, Betteln oder sogar aggressives Verhalten sind typische Folgen falscher Fütterungstechnik. Wir zeigen Ihnen die häufigsten Fehler, ihre Folgen und wie es richtig geht.

 

Fehler Nr. 1: Der Hund kann nicht in Ruhe fressen

Was tun wir Menschen?

  • Wir möchten sichergehen, dass unser Hund gut frisst und beobachten ihn deshalb bei der Nahrungsaufnahme.
  • Wir finden es schön, wenn der Hund immer mit dabei ist und füttern ihn, während um ihn herum der übliche Familientrubel stattfindet.
  • Wir finden es wichtig, dass unser Hund uns als Rudeloberhaupt anerkennt und nehmen ihm ab und zu mal den halbvollen Fressnapf weg, um ihm unsere Machtposition zu demonstrieren. Akzeptiert der Hund das nicht, bekommt er mächtig Ärger.

Was bedeutet das für unseren Hund?

Der Hund muss fürchten, sein Futter (seine Beute) zu verlieren, weil ihm ständig jemand nahe kommt, ihn ein ranghöheres Rudelmitglied vermeintlich bedrohlich beobachtet oder er sogar die Erfahrung gemacht hat, dass ihm tatsächlich öfter mal der Napf weggenommen wird.

Wie reagiert der Hund?

Er wird entweder:

  • versuchen seine Mahlzeit so hastig wie möglich hinunterzuschlingen, um so viel wie möglich im Magen zu haben, bevor ihm jemand dazwischenfunkt, oder
  • sich gar nicht mehr ans Futter trauen, weil unsere Nähe ihm signalisiert, dass wir die leckere Mahlzeit für uns beanspruchen, oder
  • sein Futter offensiv verteidigen. Mit Drohgesten, Knurren oder im Notfall durch Zuschnappen. Für ihn eine völlig legitime Art der hündischen Kommunikation, mit der er seinen Status und seine Beute gerade gegenüber Kindern (die für ihn gleichrangige Rudelkumpane darstellen) sichert.

Auf jeden Fall bedeuten derartige Störungen beim Fressen für den Hund Stress und Verunsicherung. Das Ganze belastet die sozialen Strukturen im Familienrudel.

Wie geht es richtig?

  • Füttern Sie Ihren Hund an einem ruhigen Ort, an dem er während des Fressens nicht beachtet und von niemandem gestört wird. Auch nicht von der Familienkatze.
  • Wenn Sie mehrere Hunde haben, klappt das gemeinsame Fressen im Rudel nur, wenn das Sozialgefüge stabil ist. Unsichere, sensible Tiere müssen eventuell einzeln gefüttert werden.
  • Wenn Sie den Napf wieder wegnehmen möchten, bevor Ihr Hund ihn leer gefressen hat, rufen Sie ihn zuerst in einen anderen Raum

Fehler Nr. 2: Nach dem Motto "Liebe geht durch den Magen" nutzen wir Futter als eine Form der Zuwendung

Was tun wir Menschen?

  • Wir freuen uns, wenn unsere treue Hundeseele uns mit großen Augen anschmachtet oder sich ein Loch in den Bauch freut, wenn wir nach Hause kommen. Also machen wir ihm auch eine Freude mit einem Leckerli.
  • Wir wollen unserem Hund auch etwas gönnen und verwöhnen ihn zwischendurch mit etwas besonders Leckerem. Wenn wir unseren Sonntagsbraten genießen, soll er sich schließlich auch wohl fühlen.
  • Wir möchten unseren Hund motivieren, ein Kommando wie beispielsweise "Sitz!" zu befolgen. Deshalb zeigen wir Ihm das Leckerli in unserer Hand und geben es ihm, sobald er sitzt.
  • Der Hund nervt uns, indem er unruhig hin und her läuft, uns immer wieder anstupst, bellt oder sonstwie versucht, unsere Aufmerksamkeit zu erheischen, wenn wir gerade keine Zeit haben. Also geben wir ihm einen Kauknochen oder ein Leckerli, damit Ruhe ist.
  • Wir haben weniger Zeit für unseren Hund als uns lieb ist und müssen ihn öfter mal allein lassen. Damit er nicht so traurig ist und ihm nicht so langweilig wird, bekommt er dann etwas zum Fressen oder zum Kauen.

Was bedeutet das für den Hund?

Stellen Sie sich vor, ein Kind fragt Sie "Hast Du Zeit für mich?" und Sie antworten "Hier hast Du einen Lolli, mein Schatz!". Mit der Zeit wird Nahrung für dieses Kind ein Ersatz für Liebe und Zuwendung. Irgendwann wird das Kind nur noch sagen "Ich will jetzt einen Lolli!" wenn es gelangweilt, einsam oder traurig ist oder etwas für Sie tun soll. Es wird vermutlich zu viel essen, weil Nahrung Trost bedeutet. Und wenn man immer Lollis haben kann, weshalb soll man dann noch Gemüse essen? Sie können es sich sicher bildlich vorstellen: Ein solches Kind, beziehungsweise ein so geprägter Hund, wird dick!

"Wenn Liebe durch den Magen geht, was wird dann aus der Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?"
Dr. Eckhart von Hirschhausen

Wie reagiert unser Hund?

Der Hund wird, wenn wir ihn öfter mit Futter abspeisen, immer penetranter betteln, weil er gelernt hat, dass sein Bettelverhalten belohnt wird. Statt uns zum Spielen oder Schmusen aufzufordern, geht es ihm nur noch um Nahrung und wir als Futterspender sind dabei ziemlich austauschbar. Statt unsere Beziehung zum Hund zu festigen, schwächen wir sie also durch die Leckereien zwischendurch.

Nutzen wir Leckerlis als Bestechung bei der Erziehung, tut unser Hund ziemlich bald vermutlich nichts mehr ohne die sprichwörtliche Karotte vor seiner Nase. Selbstbewusste Exemplare werden auch mit Leckerli vor der Nase kein Kommando mehr befolgen, weil sie zu der Überzeugung gelangt sind, dass ihnen das Futter ohne Gegenleistung zusteht.

Nicht zuletzt wird unser Hund, wenn er häufig aus der Hand gefüttert wird, mehr fressen als gut für ihn ist, denn Futter aus der Hand des Chefs hat einen besonders hohen sozialen Stellenwert (ein bisschen so als ob der Welpe direkt am Fang der Mama schlecken darf).

Wie geht es richtig?

  • Zeigen Sie Ihrem Hund auf andere Weise, dass Sie ihn lieben. Statt zu füttern sollten Sie mit ihm spielen, herumtollen, schmusen oder ihn bürsten, wenn er das mag. Ihre Aufmerksamkeit ist für Ihren Hund eine große Belohnung!
  • Nutzen Sie Futter bei der Erziehung als Belohnung, nicht als Bestechung. Der Unterschied? Sie zaubern das Leckerli erst dann hervor, wenn Ihr Hund das Kommando vollständig ausgeführt hat. Anfangs jedes Mal und später nur noch ab und zu. Dieses "Glücksspiel" erhöht für Ihren Hund die Spannung und den Anreiz zu tun, was Sie von ihm möchten.
  • Belohnen Sie Ihren Hund für gute Leistungen, indem Sie ihn überschwenglich mit hoher Stimme loben, ihn knuddeln oder eine Runde mit ihm herumtollen. Das spornt die meisten Hunde noch mehr an als eine Futterbelohnung.
  • Nutzen Sie Futterspielzeug wie zum Beispiel Futterbälle, um Ihren Hund zu beschäftigen, wenn Sie mal wenig Zeit haben. Er frisst dann zwar auch, aber viel langsamer und er muss etwas für sein Futter tun.
  • Das Wichtigste zum Schluss: Ziehen Sie Futterbelohnungen und Leckerlis von seiner Tagesration an Futter ab, damit er nicht zu viele Kalorien zu sich nimmt! Am besten belohnen Sie mit seinem üblichen Alleinfutter, dann bringen Sie seine Nährstoffversorgung nicht aus dem Gleichgewicht.

Fehler Nr. 3: Wir wollen unserem Hund Abwechslung bieten

Was tun wir Menschen?

  • Uns ist eine abwechslungsreiche Ernährung wichtig, deshalb wechseln wir häufiger die Futtersorte.
  • Bekommt unser Hund vom neuen Futter Durchfall, denken wir "Das verträgt er also nicht." und wechseln zum nächsten Futter.
  • Wir haben Mitleid mit unserem Hund, weil er tagein tagaus dasselbe Fertigfutter fressen muss. Deshalb gönnen wir ihm ab und zu etwas Besonderes.
  • Wir wissen ja, wie sehr sich unser Hund über ein Stück Wurst oder Käse freut. Deshalb darf er auch manchmal etwas vom Tisch haben.
  • Essensreste, die uns zu schade zum Wegwerfen sind, tun wir in den Hundenapf.

Wie reagiert unser Hund?

Wenn wir unserem Vierbeiner öfter mal etwas Besonderes geben - vom Tisch, aus der Hand oder den Filetrest vom Teller - ziehen wir uns unter Umständen einen mäkeligen Fresser heran, der "von allem nur das Beste" erwartet. Aber, das wissen wir ja aus eigener Erfahrung, was besonders gut schmeckt, ist als alleinige Nahrung selten gesund.

Wenn wir andauernd etwas Neues in den Hundenapf tun, entwickelt unser Hund mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit häufiger mal Durchfall oder Verstopfung, da seine Darmflora keine Zeit hat, sich an die ständig wechselnde Nahrung anzupassen. Wir kennen das von uns selbst auch, wenn wir zum Beispiel im Ausland plötzlich auf unser dunkles deutsches Brot verzichten müssen oder mit scharf gewürzten Speisen konfrontiert werden.

Da Tischreste und besondere Leckerlies meistens zusätzlich zur üblichen Futterration im Hund landen und häufig fettreich sind, wird er vermutlich auch noch dick werden.

Wie geht es richtig?

  • Werfen Sie die Vorstellung über Bord, viel Abwechslung sei gesund für Ihren Hund. Sie entspringt dem Missverständnis, Fertigfutter sei so etwas wie eine Mikrowellenlasagne (jedenfalls keine ausgewogene Mahlzeit). Doch das Gegenteil ist richtig: hochwertige Alleinfutter für Hunde enthalten alle Nährstoffe, Mineralstoffe, Vitamine und Co, die Ihr Hund benötigt, in genau dem richtigen Mengenverhältnis. Alles was Sie daran verändern, macht die Ernährung Ihres Hundes keinesfalls ausgewogener.
  • Machen Sie sich von dem Glauben frei, dass Ihr Hund unter der "Eintönigkeit" im Futternapf leidet. Sie können ihm anerziehen, gierig immer neue Geschmackserlebnisse zu erwarten, doch von Natur aus verspürt er nicht denselben Drang nach Abwechslung wie wir. Wir haben diesen Drang, da wir als (mit Verlaub) "Allesfresser" darauf achten müssen, mal mehr Vitamine aus Früchten, am nächsten Tag mehr Eiweiß aus Fleisch und am dritten Tag mehr Ballaststoffe zu uns zu nehmen. Dem Raubtier Hund liefert sein Beutetier - oder eben sein ausgewogenes Alleinfutter - alles was er braucht. Abwechslung ist da nicht notwendig.
  • Gehen Sie bei Futterumstellungen langsam vor. Mischen Sie im Laufe einer Woche jeden Tag ein wenig mehr vom neuen unter das gewohnte Futter, damit der Magen-Darm-Trakt Ihres Hundes Zeit hat, sich an die neue Nahrung zu gewöhnen.

Was können wir aus dem Fressverhalten des Wolfes lernen?

In jedem unserer domestizierten Hunde steckt noch irgendwo ein wenig Wolf. Deshalb lohnt es sich, einen Blick auf das Fressverhalten im Wolfsrudel zu werfen:

  • Wölfe jagen gemeinsam und können im Rudel große Beutetiere erlegen. Um das zu schaffen, müssen sie als Team zusammenarbeiten.

Genau dies ist der Grund, weshalb unsere Hunde soziale Wesen sind, die mit uns kooperieren wollen. Sie fühlen sich am wohlsten, wenn sie genau wissen, welchen Platz sie in unserem Rudel einnehmen und der Zugang zu Futter hat eine enorme symbolische Bedeutung für sie, da er eng mit dem sozialen Status verknüpft ist.

Aber Achtung: Die meisten Hunde teilen ihr Futter ungern mit anderen Hunden, da sie - im Gegensatz zu Wölfen - nicht auf deren Hilfe bei der Jagd angewiesen sind! Auch wenn wir viel aus dem Fressverhalten der Wölfe lernen können, lässt es sich eben doch nicht so einfach auf Hunde übertragen (dank jahrtausendelanger Anpassung der Hunde an uns Menschen).
  • Wölfe schlagen sich nach einer erfolgreichen Jagd den Bauch so voll wie es geht. Wer weiß schon, wann es wieder etwas gibt? Der Steinzeitmensch in uns sieht das übrigens ganz genauso.

Erwarten Sie also nicht von Ihrem Hund, dass er nur so viel Futter zu sich nimmt, "bis er satt ist". Die allermeisten Exemplare fressen so viel wie reinpasst und so ein Hundemagen ist extrem dehnbar, wie jeder Hundebesitzer weiß, dessen Schützling schon einmal unbemerkt über einen Futtersack hergefallen ist. Es ist an uns, Vernunft walten zu lassen und die Futtermenge zu rationieren. Keine Sorge, dass Ihr Hund um Futter bettelt, bedeutet meistens nicht, dass er Hunger hat. Ein vollwertig gefütterter Hund ist selten wirklich hungrig und einen Fastentag überstehen gesunde Hunde problemlos (auch wenn sie nicht begeistert davon sein werden). 

  • Wölfe fressen gemeinsam im Rudel und halten sich dabei streng an die Hierarchie der Gruppe. Ranghohe Tiere fressen zuerst und bekommen die besten Beutestücke. Sie dürfen rangniederen Tieren deren Beute wegnehmen, tun es aber in der Regel nicht, weil sie es nicht nötig haben. Gibt es Meinungsverschiedenheiten über die Reihenfolge beim Fressen, werden diese durch ritualisierte Verhaltensweisen geklärt, sodass kein Rudelmitglied bei einer Auseinandersetzung ernsthaft verletzt wird. Schließlich hätte das fatale Folgen für den Jagderfolg der Gruppe.

Ihr Hund wird Ihrem Verhalten rund um das Thema Nahrung enorme Bedeutung beimessen. Ihrer Körpersprache ebenso wie der Tatsache, wer von Ihnen beiden zuerst etwas bekommt und wie lecker es riecht. Denken Sie daran, wenn Sie Ihrem Hund das nächste Mal den Fressnapf füllen, bevor Sie sich selbst zu Tisch setzen (weil er dann Ruhe gibt). Oder wenn Sie ihm das nächste Mal eine Leckerei anbieten, ohne dass er sich dafür anstrengen musste.

Beim Thema Hundefütterung auf eine strenge Hierarchie zu achten, kommt uns Menschen häufig komisch vor. Wir machen uns selten Gedanken darüber, welche soziale Bedeutung es für den Hund hat, wenn wir ihm ein Leckerli zustecken oder ihn beim Fressen beobachten. Was wir nicht so eng sehen, bedeutet für unseren Hund aber unter Umständen eine ständige soziale Verunsicherung und letztlich Stress.

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  • Sehr hilfreich und in aller Kürze auf den Punkt gebracht

    Danke für diesen Beitrag! Sehr informativ und das Thema ist für mein Gefühl sehr gut auf den Punkt gebracht ohne dabei zu weit auszuholen.