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Übergewicht bei Hunden

© Dan Kosmayer - Fotolia.com

Laut Schätzungen von Experten ist mittlerweile fast jeder zweite erwachsene Hund in Deutschland zu dick. Viele Hundehalter nehmen gar nicht wahr, dass ihr Hund zu dick ist oder halten Übergewicht eher für einen Schönheitsfehler. Medizinisch gesehen ist Übergewicht jedoch eine eigenständige und ernst zu nehmende Krankheit.

In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über die

von Übergewicht beim Hund.

Ab wann gilt ein Hund als übergewichtig?

Spätestens wenn ein Hund 10 % über seinem Idealgewicht liegt, ist er übergewichtig. Bei einem kleinen Hund mit einem Idealgewicht von 10 kg reicht also schon ein zusätzliches Kilo zum krankhaften Übergewicht.

Die Schwierigkeit besteht allerdings darin zu wissen, was denn eigentlich das ideale Gewicht des Hundes wäre. Anders als beim Menschen existiert für Hunde keine objektive Formel wie der Body Mass Index, mit dessen Hilfe sich das Idealgewicht errechnen lässt, wenn Größe und Geschlecht bekannt sind. Die Vielzahl der Hunderassen mit mal windschnittigem, mal massigem Körperbau verbietet eine solche Berechnung.

Behelfen kann man sich nur, indem man den Hund abtastet und seinen sogenannten Body Condition Score (BCS) bestimmt.

Grob gesagt gilt: Ein Hund, dessen Rippen unter locker aufgelegten Händen zu fühlen (aber nicht schon von weitem zu sehen) sind und der von oben betrachtet eine deutliche Taille besitzt, hat einen BCS von 3/5 und ist damit idealgewichtig.

Näheres zum Body Condition Score lesen Sie in unserer Rubrik Ernährungsinfos unter "Ist mein Hund zu dick?".

Wer noch weiß, wie viel sein Hund am Ende der Wachstumsphase gewogen hat, kann in der Regel diesen Wert als Idealgewicht annehmen.

Mittelgroße Hunde sind mit etwa zwölf Monaten ausgewachsen, sehr kleine Rassen bereits mit zehn Monaten, während Riesenrassen teilweise 18 Monate oder noch länger benötigen, um ihre endgültige Größe zu erreichen.

 

Was ist Adipositas?

Adipositas ist der medizinische Begriff für Fettleibigkeit. Manche Experten bezeichnen 10 % Übergewicht bereits als beginnende Adipositas und Hunde mit 15 % Gewicht zu viel auf den Rippen als fettleibig, andere ziehen die Grenze zwischen Übergewicht und Fettleibigkeit erst bei 20 % Gewichtserhöhung.

Adipositas gilt als eigenständige Krankheit und erhöht zudem das Risiko für zahlreiche andere Erkrankungen.

Wodurch entsteht Übergewicht bei Hunden?

Eigentlich scheint die Antwort auf diese Frage banal: Wenn ein Hund mehr Energie aufnimmt, als er verbraucht, wird die überschüssige Energie in Form von Fett gespeichert und der Hund wird dick.

Tatsächlich hat Übergewicht jedoch vielfältige, sehr komplex miteinander verwobene Ursachen. Es spielen sowohl organische als auch Verhaltens- und Umweltfaktoren eine Rolle.

Welche organischen Faktoren begünstigen Übergewicht?

Ähnlich wie bei uns Menschen gibt es auch bei Hunden Individuen, die brauchen das Futter anscheinend nur anzusehen und haben schon ein paar Gramm mehr auf den Hüften, während andere sich den Bauch voll schlagen und trotzdem dünn bleiben. Sind dafür die Gene verantwortlich? Bei manchen Hunderassen anscheinend schon. Sie haben genetisch bedingt einen niedrigeren Energiebedarf und müssen deshalb weniger Kalorien pro Tag aufnehmen als andere Rassen. Gleichzeitig scheinen aber viele dieser Hunde dauernd Appetit zu haben und entwickeln sich zu wahren Staubsaugern.

Zu den Rassen mit Neigung zu Übergewicht gehören beispielsweise:

  • Labrador Retriever
  • Golden Retriever
  • Cocker Spaniel
  • Collie
  • Dackel
  • Beagle

Das Alter spielt ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung von Übergewicht. Einerseits bewegen sich ältere Tiere in der Regel weniger, andererseits verändert sich ihre Stoffwechselrate, sodass ihr Energiebedarf sinkt. Welpen, die während der Wachstumsphase zu viel Energie aufnehmen, werden zunächst nicht dick, sondern wachsen schneller, neigen aber als erwachsene Hunde zu Übergewicht.

Eine Kastration erhöht das Risiko für Übergewicht, da kastrierte Hunde eher mehr fressen als unkastrierte und gleichzeitig ruhiger werden, also weniger Energie verbrauchen. Deshalb sollte Ihr Hund unmittelbar nach der Kastration auf ein kalorienärmeres Futter für kastrierte Hunde umgestellt werden (siehe "Welches Futter ist nach der Kastration geeignet?").

Da der Energieverbrauch des Organismus durch Hormone beeinflusst wird, führen auch verschiedene hormonelle Erkrankungen zu Übergewicht, zum Beispiel:

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Überfunktion der Nebenniere (Morbus Cushing)
  • Fehlfunktionen der Geschlechtsdrüsen

Um auszuschließen, dass Ihr Hund an einer dieser Erkrankungen leidet, muss er vor Beginn einer Diät tierärztlich untersucht werden.

Erkrankungen, durch die der Hund sich weniger bewegt, führen zu einen niedrigeren Energiebedarf und dadurch auch leicht zu Übergewicht. Infrage kommen zum Beispiel:

  • Gelenkerkrankungen wie Hüftgelenksdysplasie, Arthrose etc.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Atemwegserkrankungen

Manche Krankheiten täuschen Übergewicht vor, weil sie zu Wassereinlagerungen führen. Auch dies sollte durch einen Tierarzt ausgeschlossen werden.

Bestimmte Medikamente senken den Energiebedarf oder steigern den Appetit und können bei längerfristiger Verabreichung ebenfalls an der Entstehung von Übergewicht beteiligt sein. Infrage kommen zum Beispiel Kortisonpräparate, Progesteronpräparate (zum Beispiel zur Läufigkeitsunterdrückung) oder bestimmte krampflösende Medikamente. Deshalb sollte bei Langzeitgabe solcher Medikamente eventuell auf ein kalorienärmeres Hundefutter umgestellt werden.

Welche Verhaltensaspekte begünstigen Übergewicht?

Einige Facetten des normalen Hundeverhaltens machen unsere Vierbeiner anfällig für Übergewicht: Zum Einen sind Hunde ebenso wie ihre Urahnen, die Wölfe, darauf geeicht, sich den Bauch voll zu schlagen, sobald sie die Gelegenheit dazu haben —— wer weiß wann es wieder etwas gibt. Zum Anderen spielt die Nahrungsaufnahme für unsere Hunde eine wichtige soziale Rolle. Sie definieren ihren Status im Hunde- oder im Familienrudel zu einem großen Teil darüber, was sie wann von wem zu fressen bekommen. Zusammen mit unserer Neigung, den geliebten Vierbeiner mit Leckerbissen zu verwöhnen, ergibt das oft eine verhängnisvolle Kombination, die neben Übergewicht auch Verhaltenssprobleme begünstigt.

Näheres zum Fressverhalten des Hundes und dessen Auswirkungen auf die Mensch-Hund-Beziehung lesen Sie bei den Ernährungsinfos im Beitrag: Die häufigsten Fehler bei der Hundefütterung.

Echte Verhaltensprobleme bzw. Verhaltensstörungen sind ebenfalls wichtige Ursachen von Übergewicht. Sie müssen auf jeden Fall tierärztlich abgeklärt und, falls vorhanden, von einem Spezialisten für tierärztliche Verhaltenstherapie behandelt werden. Adipositas kann z.B. ausgelöst werden durch:

  • Angst
  • Depression
  • Entwicklungsstörungen wie krankhaftes Fressverhalten oder ein gestörtes Sättigungsgefühl

Indirekt können Verhaltensauffälligkeiten zu Übergewicht führen, weil z.B. unkontrollierbare oder aggressive Hunde weniger Bewegungsfreiheit genießen können und dadurch einen niedrigeren Energiebedarf haben.

Welche äußeren Faktoren fördern Übergewicht?

Da unsere Hunde komplett von uns und unserem Lebensstil abhängig sind, ist der wichtigster äußere Faktor ganz klar: der Hundehalter.

Ob Sie in der Stadt leben oder auf dem Land, sich gern mit Ihrem Hund in der Natur bewegen oder nicht, gern mit ihm spielen, viel Zeit für Ihren Vierbeiner haben oder die Hunderunde irgendwie in den Tagesablauf quetschen müssen ... All das bestimmt, wie viel Bewegung Ihr Hund bekommt und damit wie hoch sein Energiebedarf ist.

Ob Sie bereit sind, Geld in ein ausgewogenes Hundefutter zu investieren, gern und häufig Snacks füttern, sich Wissen über artgerechte Hundefütterung und Hundeerziehung aneignen oder nicht ... hat Auswirkungen darauf, wie viele Kalorien Ihr Hund täglich zu sich nimmt.

Manchmal sind aber auch andere "äußere Faktoren" —— beispielsweise in Gestalt der Nachbarn —— ganz entscheidend an der Entstehung von Speckpolstern bei Ihrem Hund beteiligt. Deshalb müssen natürlich auch diese Faktoren bei einer Diät mit einbezogen werden.

Welche Futtermittel fördern die Entstehung von Übergewicht?

Wer kennt das nicht: "Eigentlich bin ich schon satt, aber es schmeckt ja so lecker ..." Besonders schmackhafte Nahrungsmittel verführen uns dazu, weiter zu essen, obwohl der Magen voll ist ,und ganz besonders viel essen wir, wenn uns immer wieder neue Leckereien vorgesetzt werden. Das geht unseren Hunden ganz genauso und ebenso wie wir mögen auch sie gern fettreiche Kalorienbomben. 

Hundefutter und Snacks, die unsere Hunde besonders lecker finden, sind also die, die auch besonders schnell dick machen und von denen sie mehr essen als nötig. 

Häufiges Wechseln zwischen verschiedenen Hundefuttersorten oder Snacks fördert Übergewicht, da wir dem Hund immer neue Geschmacksreize bieten und er dadurch mehr frisst.

Welche Folgen hat Übergewicht für den Hund?

Bei übergewichtigen und fettleibigen Hunden erhöht sich der Anteil des Körperfetts von 10——20% auf bis zu 40%. Fettspeicherzellen werden prall mit Speicherfett gefüllt und neue Fettzellen entstehen, um den Überschuss aufnehmen zu können. Es bilden sich Fettspeicher in der Unterhaut des Rumpfes, in Brust- und Bauchhöhle und sogar in dem Bindegewebe, das die inneren Organe durchzieht, wodurch deren Funktion beeinträchtigt werden kann.

Die Fettzellen speichern allerdings nicht einfach nur Fett, sondern sie regulieren den Stoffwechsel des Hundes mit, indem sie Hormone und andere Regulationsfaktoren freisetzen. 

Steigt der Köperfettanteil über den Normalwert, verschiebt sich das Stoffwechselgleichgewicht, die Fettzellen und andere Gewebezellen verändern ihre Arbeitsweise und hormonelle Ungleichgewichte entstehen. Dadurch entwickeln übergewichtige Hunde beispielsweise eine Insulinresistenz, eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes, beim Menschen auch als Altersdiabetes bekannt. Bei diesen Hunden sind der Blutzuckerspiegel und der Insulinspiegel erhöht, weil die peripheren Gewebe  schlechter auf Insulin ansprechen und dadurch der Zucker schlechter aus dem Blut in die Zellen gelangt, denen er als Brennstoff dient.

Im Bauchfett übergewichtiger Hunde werden vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe und andere Regulationsfaktoren freigesetzt, die möglicherweise ebenfalls zu den Folgekrankheiten der Fettleibigkeit beitragen, insbesondere zur Entstehung von Arthrose (Osteoarthritis).

Übergewicht ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung vieler Krankheiten und kann bereits bestehende Erkrankungen verschlimmern.

Wissenschaftlich nachgewiesen ist zum Beispiel, das fettleibige Hunde häufiger an den folgenden Erkrankungen leiden:

  • Gelenkverschleiß (Arthrose bzw. Osteoarthritis)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Inkontinenz bei kastrierten Hündinnen
  • Verstopfung (Konstipation)
  • Hauterkrankungen (Dermatitis)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Atemwegserkrankungen

 

Da Übergewicht den Kreislauf belastet und die Verteilung bzw. den Abbau von Narkose-Medikamenten verändert, haben übergewichtige Hunde ein erhöhtes Narkoserisiko.

Störendes Fettgewebe kann chirurgische Eingriffe verkomplizieren und es kommt häufiger zu Wundheilungsstörungen, sodass insgesamt ein erhöhtes Risiko bei chirurgischen Eingriffen besteht.

Für viele Hundehalter sind diese Folgen ähnlich abstrakt wie die Folgen des Rauchens: Sie werden gern verdrängt, so lange sie noch nicht eingetreten sind.

Doch es gibt eine weitere wissenschaftlich nachgewiesene Komplikation des Übergewichts, die nicht erst auf lange Sicht ein Problem ist, sondern schon heute: Übergewicht verringert die Lebensfreude betroffener Hunde! Sie sind beispielsweise deutlich weniger agil und nehmen weniger an ihrer Umwelt teil (Näheres im Blogeintrag "Abspecken macht Hunde tatsächlich glücklicher").

Nicht zuletzt verkürzt Übergewicht die Lebenserwartung. Verglichen mit Hunden, die ihr Leben lang schlank sind, sterben übergewichtige Hunde im Durchschnitt zwei Jahre früher.

Schenken Sie Ihrem übergewichtigen Hund also mehr Lebensfreude und Gesundheit: Setzen Sie ihn auf Diät!

Wie wird der Hund das Übergewicht am besten wieder los?

Da Übergewicht durch ein Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch entsteht, haben wir zwei Möglichkeiten, das Problem anzugehen:

  1. Wir füttern unserem Hund weniger Kalorien.
  2. Wir erhöhen den Energieverbrauch unseres Hundes durch mehr Bewegung.

Beide Maßnahmen sind gleich wichtig! Zu jedem vernünftigen Diätplan gehört also auch ein passendes Bewegungsprogramm.

Da viele übergewichtige Hunde noch weitere gesundheitliche Probleme haben (z.B: an den Gelenken) sollten Sie Ihren Hund vor Beginn der Diät gründlich von Ihrem Tierarzt durchchecken lassen und sowohl den Diätplan als auch das Bewegungsprogramm gemeinsam mit Ihrem Tierarzt zusammenstellen.

Den eigenen Hund auf Diät zu setzen ist für die meisten Hundehalter trotzdem eine echte Herausforderung. Wie Sie es schaffen, Ihren Hund zum Idealgewicht zu bringen, lesen Sie in unserer Rubrik Ernährungsinfos:

Dr. Hölter wünscht viel Erfolg!

     

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