
Dr. Hölter
Die Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus)ist die wild wachsende, europäische Verwandte der größeren Kulturheidelbeere (V. corymbosum). Anders als Kulturheidelbeeren ist bei Wildheidelbeeren auch das Fruchtfleisch blau gefärbt – ein Hinweis auf ihren besonders hohen Gehalt an Anthocyanen. Diese blau-violetten sekundären Pflanzenstoffe zählen zu den Polyphenolen und sind für ihre antioxidativen Eigenschaften bekannt.
Die Fütterung zusätzlicher Antioxidantien ist vor allem in Belastungssituationen nützlich: Körperliche Belastung steigert im Körper den oxidativen Stress, also die Bildung freier Radikale, die Zellen schädigen können. Polyphenole wie die Anthocyane der Heidelbeere können solche Radikale abfangen. Schlittenhunde und Diensthunde, die mit Heidelbeeren gefüttert wurden, zeigten nach körperlicher Belastung weniger Anzeichen für oxidativen Stress im Blut (Dunlap et al. 2006; Mancini et al. 2019).
Getrocknete Heidelbeeren enthalten außerdem viele Gerbstoffe (Tannine) und präbiotische Ballaststoffe wie Pektin. Gerbstoffe wirken adstringierend, also zusammenziehend auf die Schleimhäute – ein Grund, warum getrocknete Heidelbeeren traditionell bei leichten Verdauungsbeschwerden und Durchfall gegessen wurden. Pflanzliche Polyphenole können im Dickdarm zusätzlich einen präbiotischen Effekt entfalten, also nützlichen Darmbakterien als Nahrung dienen.
In der Tierernährung werden Waldheidelbeeren als natürliche Zutat meist zur ernährungsphysiologischen Unterstützung der Verdauung eingesetzt.