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Soforthilfe

Akuter Durchfall beim Hund

Beagle frisst aus der Mülltonne Wenn das mal gut geht: Nach dem Räubern der Mülltonne folgt oft der Durchfall. © iStockphoto.com/ igorr1

Soforthilfe

Plötzlich einsetzender Durchfall ist ein bei Hunden sehr - wirklich sehr! - häufiges Symptom mit einer Fülle von Ursachen. In den allermeisten Fällen erledigt sich der Durchfall innerhalb von zwei bis vier Tagen mit der richtigen Pflege von selbst. Gefährlich wird Durchfall, wenn der Hund durch den Flüssigkeitsverlust austrocknet, was bei jungen Hunden oder älteren Hunden mit angeschlagener Gesundheit schneller geschieht.

 

Akuter Durchfall: Was zeigt der Hund? 

Immer:

  • dünnbreiigen bis flüssigen Kot 

 

Möglicherweise:

  • sehr häufigen Kotabsatz
  • Beimengungen wie Schleim oder Blut
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber (Normaltemperatur beim Hund: 38-39°C)
  • Mattigkeit bis Teilnahmslosigkeit
  • Austrocknung

 

Hält der Durchfall länger als 14 Tage an oder flackert er über Wochen immer wieder auf, spricht man von chronischem Durchfall.

 

Akuter Durchfall: Mögliche Ursachen

Die Ursachen für akuten Durchfall lassen sich in drei große Kategorien unterteilen: 

Entweder, der Hund hat 

1. etwas zu sich genommen, was ihm nicht bekommt, beispielsweise:

  • Unrat vom Wegrand oder aus der Mülltonne
  • Für Hunde ungeeignete Lebensmittel (z.B. Milch oder stark gewürztes Essen)
  • Von einem Tag auf den anderen ein neues Futter (plötzliche Futterumstellung)
  • Futter mit Hygienemängeln (z.B. Mit Bakterien belastetes rohes Fleisch)
  • Qualitativ schlechtes Futter (z.B. Mit schlechter Eiweißqualität oder sehr viel Kohlenhydraten)
  • Knochen oder Fremdkörper, die Darm irritieren 
  • Gift, Chemikalien, Medikamente

 

Hinweis: Antibiotika beeinflussen die Darmflora und können deshalb Durchfall hervorrufen. Leichter Durchfall ist jedoch kein Grund, die Behandlung abzubrechen. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt und brechen Sie eine antibiotische Behandlung nicht eigenmächtig ab! 

 

2. Eine Magen-Darm-Erkrankung, beispielsweise:

  • Einen akuten Magen-Darm-Infekt durch Viren und/oder Bakterien
  • Magen-Darm-Parasiten: Würmer (Helminthen) oder Einzeller (Protozoen, z.B. Giardien)
  • Eine Magen-Darm-Entzündung anderer Ursache, z.B. allergisch oder autoimmun-bedingt
  • Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung

 

3. Ein außerhalb der Magen-Darm-Trakts liegendes Problem, beispielsweise:

  • Stress, Angst, Schmerz oder Aufregung
  • Infektionskrankheit
  • Organerkrankung, z.B. eine Nierenschwäche
  • Hormonelle Erkrankung

 

Akuter Durchfall: Wann zum Tierarzt?

Am nächsten Tag, wenn Ihr Hund

  • länger als drei Tage unter Durchfall leidet 

 

Noch heute, wenn Ihr Hund

  • ein Welpe ist und häufig Durchfallkot absetzt
  • Anzeichen von Austrocknung zeigt (siehe unten)
  • blutigen Durchfall hat
  • sehr viel Flüssigkeit verliert (häufig wässrigen Durchfall absetzt)
  • Bauchschmerzen hat (siehe unten)
  • sehr unruhig wirkt
  • teilnahmslos wirkt
  • nicht frisst und/ oder nicht trinkt
  • häufig erbricht
  • Fieber hat (> 40°C)

 

Woran erkenne ich, ob mein Hund ausgetrocknet ist?

  • Seine Maulschleimhäute sind klebrig trocken.
  • Eine aufgezogene Hautfalte verstreicht nur langsam.
  • Evtl. wirken die Augen eingefallen.

 

Notfall: Bleibt eine aufgezogene Hautfalte stehen, ist Ihr Hund teilnahmslos und hat kalte Beine, bringen Sie ihn bitte umgehend zu einem Tierarzt! Dies sind Anzeichen für starke Austrocknung bzw. einen Schock.

 

Woran erkenne ich, ob mein Hund Bauchschmerzen hat?

  • er bewegt sich langsam und evtl. steif
  • er krümmt seinen Rücken auf oder
  • er nimmt die „Gebetsstellung“ ein: vorne tief, hinten hoch oder
  • er nimmt andere ungewöhnliche Positionen ein, z.B. Rückenlage
  • er presst häufig und angestrengt, um Kot abzusetzen 

 

Akuter Durchfall: Wie Sie Ihrem Hund helfen können

Sofern ihr Hund abgesehen vom Durchfall fit ist, wird sich das Problem mit großer Wahrscheinlichkeit innerhalb weniger Tage von selbst erledigen. Sie können diesen Selbstheilungsprozess mit der richtigen Pflege sehr gut unterstützen.

Was füttern bei akutem Durchfall?

In den ersten 12 bis 48 Stunden sollte Ihr Hund nach Möglichkeit fasten. Es sei denn, er ist bereits geschwächt und/oder sehr jung - dann bitte ab zum Tierarzt.

Das Fasten ist sinnvoll, da die Nährstoffe im Futter osmotisch wirken, das heißt sie ziehen Flüssigkeit in den Darm und verstärken so den Durchfall. Außerdem besteht bei akutem Durchfall ein erhöhtes Risiko, Futtermittelallergien zu entwickeln, da die Darmschranke gestört ist. Länger als zwei Tage sollte Ihr Hund jedoch nicht fasten, da sonst die Darmwandzellen (Enterozyten) hungern und evtl. geschädigt werden. 

Sehr wichtig: Ihr Hund muss immer Zugang zu frischem Wasser haben! Bei Durchfall verliert der Körper viel Flüssigkeit und diese muss dringend ersetzt werden.

Nach dem Fasten ist für drei bis sieben Tage ausschließlich Schonkost angesagt. Bitte steigern Sie die Futtermenge langsam und füttern Sie mehrere Mahlzeiten täglich, um den noch angeschlagenen Magen-Darm-Trakt nicht zu überlasten.

Das klassische Schonkostrezept für Hunde besteht aus Huhn, Reis und Hüttenkäse. Für einen 10 kg schweren Hund:

•125 g Hühnerfleisch

•300 g weich gekochter Reis

•125 g Hüttenkäse

Wichtig: Diese selbst gekochte Schonkost deckt nicht den Vitamin- und Mineralstoffbedarf Ihres Hundes und darf deshalb nicht länger als ein paar Tage ausschließlich gefüttert werden!

Beim Tierarzt bekommen Sie leicht verdauliche, fertige Schonkost für Durchfallpatienten, die den gesamten Nährstoffbedarf Ihres Hundes deckt und mit speziellen Inhaltsstoffen (z.B. Präbiotika) die Regeneration des Magen-Darm-Trakts fördert sowie die Kotkonsistenz verbessert (z.B. Hills i/d, Royal Canin Gastro Intestinal).

Wenn Sie ein hochwertiges Alleinfutter geben (z.B. von Royal Canin oder Hills) ist dies in der Regel so schonend für den Magen-Darm-Trakt, dass Sie nach leichteren Durchfallepisoden keine spezielle Schonkost geben müssen. 

Falls Ihr Hund Allergiker ist oder ein erhöhtes Allergierisiko hat (z.B. weil die Eltern Allergiker sind), sollten Sie nach einer Durchfallepisode einige Tage lang eine Allergikerdiät mit einer Eiweißquelle füttern, die Sie sonst nicht geben (z.B. Ente), oder eine hydrolysierte Diät (z.B. Royal Canin Anallergenic oder Hills z/d). Sie dient als sogenanntes „Opferprotein“: Sollte Ihr Hund dagegen eine Allergie entwickeln, ist dies nicht weiter schlimm und Sie laufen nicht Gefahr, Ihre übliche Allergiediät wechseln zu müssen. Das Risiko der Allergieentwicklung ist bei akutem Durchfall erhöht, da die Darmbarriere geschädigt ist und eher Nahrungsantigene mit dem Immunsystem in Berührung kommen.

Leckerli und Kauknochen sind in den ersten Tagen nach akutem Durchfall für alle Hunde noch Tabu.

Wichtig: Falls Ihr Hund auf ein tierärztliches Diätfutter angewiesen ist (z.B. Aufgrund von Diabetes oder einer Organerkrankung), wechseln Sie bitte nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnde Tierarzt das Futter.

 

Hausmittel und Naturheilkunde bei akutem Durchfall

Wenn Ihr Hund unter Durchfall leidet, gerät seine Darmflora aus dem Gleichgewicht, eventuell muss er sich mit Krankheitskeimen und Giftstoffen auseinandersetzen und die Darmwand wird unter Umständen geschädigt. Mit ein paar Tricks können Sie dem Magen-Darm-Trakt Ihres Hundes helfen, schneller wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Die häufigsten in Nahrungsergänzungen gegen Durchfall eingesetzten Wirkstoffe sind:

Ballaststoffe (nicht fermentierbare Fasern) 

Ballaststoffe sind quellfähige Pflanzenfasern, die große Mengen Wasser "aufsaugen" können und dadurch sofort die Kotkonsistenz verbessern; z.B. Kleie, Futterzellulose oder Flohsamen (langsam fermentierbar, wird oft auch zu den fermentierbaren Fasern gezählt)

Präbiotika (fermentierbare Fasern)

Präbiotika sind lösliche Pflanzenfasern, die den "guten" Darmbakterien der normalen Darmflora des Hundes als Nahrung dienen und deren Vermehrung fördern. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass dadurch die Vermehrung von Krankheitskeimen unterdrückt wird und die Darmflora schneller wieder ins Gleichgewicht kommt. Auch die löslichen Pflanzenfasern quellen im Darm auf und können so die Kotkonsistenz verbessern. Beim Abbau (Fermentation) der löslichen Fasern entstehen zudem Substanzen, welche die Darmwandzellen zur Energiegewinnung nutzen. Zu den löslichen Fasern gehören z.B. Pektin, Guar, Inulin, FOS und MOS; das klassische Hausmittel aus dieser Kategorie ist mit der Glasreibe geriebener, ungeschälter Apfel.

Probiotika 

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, in der Regel milchsäurebildende Bakterien wie Enterococcus faecium. Diese Bakterien können das Wachstum krankmachender Bakterien hemmen, indem sie sie von der Darmwand "verdrängen" und mit ihnen um Nahrung konkurrieren. Zusätzlich üben sie einen entzündungshemmenden Effekt auf die Darmwandzellen aus.

Gerbstoffe und Toxinbinder

Gerbstoffe (Adstringentien) sollen dafür sorgen, dass Eiweiße im Darm verklumpen und eine schützende Membran an der Darmwand ensteht, welche die Aufnahme von Giftstoffen oder das Eindringen von Keimen verhindert. Ein häufig in der Naturheilkunde angewendeter Gerbstoff ist z.B. Eichenrinde.

Toxinbinder (Adsorbentien) sollen die von Durchfallerregern freigesetzten Giftstoffe unschädlich machen. Der bekannteste Vertreter ist wohl die Aktivkohle oder Medizinalkohle. Sehr häufig eingesetzt werden auch Kaolin und Bentonit-Montmorillonit.

Energie und Elektrolyte

Bei akutem Durchfall schafft es der Darm nicht, die Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei in genügender Menge aufzunehmen. Deshalb enthalten Durchfallpräparate oft zusätzliche Energie in Form von Zuckerverbindungen und/oder Ölen. Sie können auch während der ersten Fastentage gegeben werden.

Wenn Ihr Hund viel Flüssigkeit verliert, gehen gleichzeitig auch lebenswichtige Elektrolyte verloren, was unter anderem zur Übersäuerung des Organismus führen kann. Gerade bei Welpen oder älteren Hunden mit angeschlagener Gesundheit kann es deshalb sinnvoll sein, Elektrolytlösungen statt reinem Wasser zum Trinken anzubieten, z.B. Oralade oder Virbac Multi-Elektrolyte).

Kombinationspräparate gegen Durchfall

Die Zahl der Produkte gegen Durchfall bei Hunden ist fast unüberschaubar groß. Dies ist eine Auswahl beliebter Kombiprodukte:

  

Damit Sie auf unangenehme Überraschungen gut vorbereitet sind, sollten Sie eines dieser Produkte in der Hunde-Hausapotheke vorrätig haben bzw. bei Urlaubsreisen mit in die Reiseapotheke packen.

Gut vorbereitet zum Tierarzt

Wenn Sie Ihren Hund wegen Durchfall einem Tierarzt vorstellen, ist es durchaus sinnvoll, eine möglichst frische Kotprobe mitzunehmen, zum Beispiel für eine Untersuchung auf Wurmeier oder andere Krankheitserreger.

Außerdem wird Ihnen Ihr Tierarzt eine Reihe von Fragen stellen, auf die Sie sich vorbereiten können, z.B.:

  • Wann hat der Durchfall begonnen und wie häufig tritt er auf?
  • Hatte Ihr Hund bereits früher schon einmal dieselben Symptome?
  • Was füttern Sie (inkl. Leckerli)?
  • Haben Sie an der Fütterung kürzlich etwas verändert?
  • Hat Ihr Hund in letzter Zeit etwas Ungewöhnliches gefressen?
  • Hatte Ihr Hund Gelegenheit, unbeobachtet etwas zu fressen?
  • Waren Sie in letzter Zeit mit Ihrem Hund im Ausland?
  • Wann und womit wurde zuletzt entwurmt?
  • Sind weitere Tiere in Ihrem Haushalt oder in der Nachbarschaft erkrankt?

Ihre Antworten geben wertvolle Hinweise auf die Ursache des Problems und ermöglichen Ihrem Tierarzt, die beste Behandlung auszuwählen. 

Dr. Hölter wünscht Gute Besserung! 


 

 

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