•  Kostenloser Versand ab 30€ Bestellwert in Deutschland
  •  14 Tage Widerrufsrecht
  •  Hotline 04141-3103
Pankreatitis

Bauchspeicheldrüsenentzündung bei Hunden und Katzen

Pankreatitis

Bauchspeicheldrüsenprobleme sind bei Hunden und Katzen relativ häufig und können schwerwiegende Folgen haben. Lesen Sie hier, wie eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse diagnostiziert wird und was sie für Ihr Tier bedeutet.

Was macht die Bauchspeicheldrüse?

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) bildet den sogenannten Pankreassaft und gibt ihn kurz hinter dem Magen in den Dünndarm ab. Schon der Geruch einer Mahlzeit lässt nicht nur das Wasser im Mund zusammenlaufen, sondern auch den Pankreassaft im Zwölffingerdarm (Duodenum), allerdigns nur in kleinen Mengen. Erst wenn die Nahrung aus dem Magen in den Dünndarm gelangt, gibt die Bauchspeicheldrüse ihr Sekret in größeren Mengen dazu. So bringt es ein 10 kg schwerer Hund täglich auf bis zu einen halben Liter dieses kostbaren Safts (beim Menschen etwa 1,5 l). 

Der Pankreassaft neutralisiert die Magensäure, wenn der Mageninhalt in den Dünndarm gelangt. So schafft er optimale Arbeitsbedingungen für die von der Bauchspeicheldrüse gebildeten Verdauungsenzyme, die die Nährstoffe aus dem Futter aufspalten:

  • Peptidasen zur Verdauung von Eiweißen
  • Amylase zur Verdauung von Kohlenhydraten
  • Lipasen  zur Verdauung von Fetten
  • Nukleasen zur Verdauung von DNA und RNA 

 

 

Die Menge der Enzyme im Pankreassaft kann sich an die Art des Futters anpassen. So wird zum Beispiel bei kohlenhydratreicher Fütterung mehr Amylase ausgeschüttet. Erst nach der Aufspaltung durch die Verdauungsenzyme können die Nährstoffe aus dem Futter durch die Darmwand ins Blut gelangen und dem Körper als Energielieferanten dienen.

Was sich relativ simpel anhört, ist in Wahrheit eine nicht ungefährliche Aufgabe für die Bauchspeicheldrüse, da sie in ständiger Gefahr schwebt, sich selbst zu verdauen. Damit dies nicht passiert, gibt es eine Reihe von Schutzmechanismen, die dafür sorgen, dass die Enzyme erst im Dünndarm ihre Arbeit beginnen. So werden vor allem eiweißverdauende Enzyme in Form inaktiver Vorstufen und gemeinsam mit Hemmstoffen ausgeschüttet, die eine Aktivierung noch in den Pankreasgängen verhindern sollen. Versagen diese Schutzmechanismen, kommt es zu einer schmerzhaften Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis). 

Eingebettet in das Drüsengewebe des Pankreas liegen die nach ihrem Entdecker benannten Langerhansschen Inseln. Die Inselzellen produzieren hauptsächlich die den Blutzuckerspiegel regulierenden Hormone Insulin und Glucagon, aber auch Hormone, die z.B. die Ausschüttung von Pankreassaft regulieren und ein Sättigungsgefühl erzeugen. 

Das den Pankreassaft produzierende Drüsengewebe nennt man exokrines Pankreas, die hormonproduzierenden Langerhansschen Inseln nennt man endokrines Pankreas.

Wodurch entsteht eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?

In 9 von 10 Fällen lässt sich die Ursache der Pankreatitis nicht ermitteln. Es ist jedoch eine Reihe möglicher Auslöser bzw. Risikofaktoren bekannt:

  • Aufnahme ungeeigneter Nahrung, vor allem wenn sie unhygienisch und/oder sehr fettreich war (z.B. falls der Hund draußen Nahrungsreste gefunden hat)
  • sehr fettreiche Ernährung über längere Zeit (Hund)
  • Übergewicht
  • erhöhte Blutfettwerte (Hypertriglizeridämie; z.B. erblich bedingt bei Zwergschnauzern)
  • Durchblutungsstörungen (zu niedriger Blutdruck, z.B. auch bei Magendrehung, Anämie)
  • hormonelle Erkrankungen wie Cushing, Diabetes mellitus oder Schilddrüsenunterfunktion
  • Trauma
  • Gabe bestimmter Medikamente (z.B. bestimmte Antiepileptika)
  • verschiedene Infektionskrankheiten, vor allem bei Katzen
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (IBD, v.a. bei Katzen) sowie
  • Erkrankungen von Leber und Galle (Cholangiohepatitis bei Katzen)

Gerade bei Katzen spielen Infektionskrankheiten eine große Rolle bei der Entstehung von Pankreatiden. Ein Zusammenhang mit Viruserkrankungen wie FIP, FeLV, FIV, Panleukopenie und Felinem Herpesvirus I ist bekannt. Von besonderer Bedeutung sind jedoch Toxoplasmeninfektionen, da diese auch auf den Menschen übertragbar sind. 

Toxoplasmen konnten in einer Untersuchung bei über 80 Prozent der entzündeten Bauchspeicheldrüsen bei Katzen nachgewiesen werden!

Bei Hunden können Infektionen mit Babesien (Babesia canis, Erreger der Hundemalaria) eine Rolle spielen.

Eine Veranlagung zu Bauchspeicheldrüsenentzündungen ist für folgende Hunderassen bekannt:

  • Boxer
  • Cavalier King Charles Spaniel
  • Cocker Spaniel
  • Collies
  • kleine Terrier-Rassen

Insgesamt sind Pankreaserkrankungen bei Hunden und Katzen recht häufig: etwa jede zehnte Katze und etwas mehr als jeder zehnte Hund entwickelt in seinem Leben ein Pankreasproblem. Bei vielen Tieren sind nach dem Tod Veränderungen der Bauchspeicheldrüse festzustellen, obwohl sie aus ganz anderen Gründen gestorben sind bzw. euthanasiert wurden, also keine Symptome einer Pankreatitis beobachtet wurden. Das zeigt, wie sensibel die Bauchspeicheldrüse auf verschiedenste Vorgänge im Körper reagiert. Magen-Darm-Erkrankungen, Stress, bestimmte Medikamente, Stoffwechsel- und Durchblutungsstörungen können leicht auf die Bauchspeicheldrüse schlagen. Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an einer Pankreatitis zu erkranken.

Bauchspeicheldrüsenerkrankungen bleiben häufig unerkannt. 

Was passiert bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung im Pankreas?

Auch wenn die Ursachen einer Pankreatitis von ungeeigneter Nahrung über Durchblutungsstörungen bis zu Infektionen reichen, die Bauchspeicheldrüse reagiert quasi immer gleich:

Die Ausscheidung der Verdauungsenzyme wird vermindert. Dadurch bleiben diese länger als gewöhnlich in den Pankreaszellen, mit der Folge, dass sie noch in den Zellen aktiviert werden. Die Bauchspeicheldrüse beginnt sozusagen, sich selbst zu verdauen. Entzündungszellen wandern in das Organ ein, Blutgefäße werden geschädigt und die Bauchspeicheldrüse schwillt an. Bei leichteren Erkrankungen bleibt die Entzündung auf das Pankreas beschränkt, während die Selbstverdauung in schwereren Fällen weiter um sich greift, das umgebende Fettgewebe wird dann durch die Enzyme verseift und eine sehr schmerzhafte Fettgewebsnekrose entsteht. Auch Abszesse sind möglich.

Welche Folgen kann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung haben?

Bei einer akuten Pankreatitis kann die Entzündung wieder abheilen, ohne dass Schäden am Organ zurückbleiben. Sie kann jedoch auch auf das umliegende Gewebe übergreifen und größere Schäden verursachen. Eine solche akute nekrotisierende Pankreatitis kann lebensbedrohlich werden, wenn eine Sepsis (Blutvergiftung) entsteht, die zum Schock und zum Organversagen führen kann.

Eine chronische Pankreatitis, bei der die Entzündung immer wieder aufflackert, führt zur Bildung von Narbengewebe und zur Schrumpfung des funktionsfähigen Organgewebes, die Folge kann eine Bauchspeicheldrüsenschwäche sein, die sogenannte exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI) und evtl. eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Einer Studie zufolge leidet fast jeder dritte zuckerkranke Hund unter einer chronischen Pankreatitis.

 

Wie äußert sich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Die Anzeichen einer Pankreatitis sind leider alles andere als typisch.

Bei einer Pankreatitis zeigen die Tiere z. B.:

  • Apathie
  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Austrocknung (v.a. Katzen)
  • Durchfall

Unter Umständen auch:

  • Fieber
  • Gelbfärbung von Haut/Schleimhaut (Ikterus)
  • Gewichtsverlust
  • Schwäche

Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen sind bei Hunden mit Pankreatitis relativ häufig, während Katzen oft nur sehr vage Symptome wie Schwäche, Austrocknung, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust zeigen.  

Während akute Pankreasentzündungen sehr heftige Symptome bis hin zu lebensbedrohlichen Kreislaufproblemen verursachen können - also oft einen akuten Notfall darstellen - werden chronische Pankreasentzündungen gerade bei Katzen häufig sogar überhaupt nicht bemerkt, dabei sind sie bei Katzen sehr viel häufiger als eine akute Pankreatitis. Eine chronische Pankreatitis kann also schleichend (subklinisch) verlaufen, aber auch in Form immer wiederkehrender akuter Schübe (chronisch rezidivierend). Oft tritt eine Pankreatitis bei Katzen gleichzeitig mit anderen Leber- und Magen-Darm-Erkrankungen oder einer Zuckerkrankheit auf, sodass die Pankreatitis durch die anderen Krankheitssymptome verschleiert wird.

Da eine Kombination aus Leber-Gallenwegsentzündung (Cholangiohepatitis), chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (IBD = inflammatory bowel disease) und Pankreatitis bei Katzen so häufig vorkommt, gibt es für diese Krankheit sogar einen eigenen Namen: "Triaditis" (dreifache Entzündung). 

Bauchschmerzen bei Hunden (seltener bei Katzen mit Pankreatitis) zu erkennen, ist manchmal nicht so einfach. Als typisches Anzeichen für Schmerzen im vorderen Bauchbereich, wo die Bauchspeicheldrüse liegt, gilt die sogenannte Gebetsstellung. Dabei liegen die Hunde mit dem Vorderkörper auf dem Boden, während die Hinterbeine stehen bleiben. Dieses Verhalten beobachtet man jedoch nur bei etwa jedem zehnten Hund mit Pankreatitis und viele gesunde Hunde gehen in die Gebetsstellung, um sich zu strecken oder um zum Spielen aufzufordern. Andere Hinweise auf Bauchschmerzen können steife Bewegungen, ein aufgekrümmter Rücken, ungewöhnliche Liegepositionen oder zum Beispiel ein bevorzugtes Liegen auf kalten Fliesen oder auf warmem Untergrund sein.

Wie wird eine Bauchspeicheldrüsenentzündung diagnostiziert?

Spezielle Bluttests zur Pankreatitis-Diagnostik

Inzwischen gibt es sowohl für Hunde als auch für Katzen Schnelltests, die eine hochgradige Pankreatitis direkt in der Tierarztpraxis erkennen können. Dies erleichtert die schnelle Diagnose bei starken Entzündungen ungemein. Schwierig kann es aber immer noch sein, leichte oder chronisch schubweise auftretende Bauchspeicheldrüsenentzündungen zu entdecken, da die Tests z.B. bei Katzen mit geringgradigen Problemen nur etwas mehr als zwei Drittel der Pankreatitis-Fälle nachweisen können. In solchen Fällen oder bei Testergebnissen im Graubereich muss evtl. mehrmals getestet werden oder Blut für noch genauere Messungen der Pankreasspezifischen-Lipase-Aktivität eingeschickt werden.

Weitere notwendige Untersuchungen bei Pankreatitis-Verdacht

Eine Pankreatitis ist allein Anhand der Symptome praktisch nicht von anderen Magen-Darm-Erkrankungen zu unterscheiden. Gerade bei jungen Hunden mit akutem Durchfall, Erbrechen, Fieber und Bauchschmerzen muss man immer auch Infektionen, vor allem eine Parvovirus-Infektion, in Betracht ziehen und diese mithilfe eines speziellen Bluttests ausschließen. Bei Katzen sollten zum Beispiel eine Feline Leukose und Katzenaids durch einen Schnelltest ausgeschlossen werden. 

In der Routine-Blutuntersuchung (Blutbild und Blutchemie) lässt sich eine Pankreatitis zwar nicht sicher diagnostizieren, mit ihrer Hilfe lässt sich jedoch z.B. erkennen, inwieweit die Erkrankung bereits andere Organe wie Leber oder Nieren belastet, wie stark der Patient ausgetrocknet ist und ob er viele Elektrolyte verloren hat. Sie ist deshalb wichtig für die Therapieplanung und die Einschätzung der Prognose. Gerade bei Katzen ist es sinnvoll, auf begleitende Darmerkrankungen durch die Bestimmung von Vitamin B12 und Folsäure zu untersuchen. 

Ebenso kommt — vor allem bei jungen Hunden oder Katzen mit akuten Problemen — immer auch ein Fremdkörper in Betracht, der im Magen-Darm-Trakt stecken geblieben ist, weshalb eine Röntgenuntersuchung gemacht werden sollte, auch wenn man auf dem Röntgenbild in der Regel nur vage Hinweise auf eine Pankreatitis ausmachen kann.

Ein Bauchultraschall kann ebenfalls Hinweise auf eine Pankreatitis bzw. ihren Schweregrad geben und dabei helfen, sie von anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts zu unterscheiden. Allerdings können auch sehr erfahrene Untersucher bei einer Pankreatitis nicht immer Entzündungszeichen im Organ finden. Bei Katzen lässt sich mithilfe der Ultraschalluntersuchung gut feststellen, ob gleichzeitig Leber- oder Darmerkrankungen vorliegen, wie es bei diesen Tieren oft der Fall ist. 

Mit hundertprozentiger Sicherheit lässt sich eine Pankreatitis anhand von Gewebeproben (Biopsien) der Bauchspeicheldrüse nachweisen, die auch eine Unterscheidung zwischen chronischer und akuter Pankreatitis erlauben. Dies wird in der Praxis jedoch sehr selten durchgeführt.

Wie wird eine Pankreatitis behandelt?

Die drei wichtigsten Maßnahmen bei Patienten mit einer Bauchspeicheldrüsenentzündung sind:

  1. Flüssigkeitstherapie
  2. Schmerzmanagement
  3. richtige Fütterung (Diätetik)

Je nach Schweregrad der Entzündung, Komplikationen und eventuellen begleitenden Erkrankungen können noch andere Behandlungsmaßnahmen bis hin zur Intensivmedizin notwendig sein, doch die drei oben genannten sind für jeden Patienten entscheidend. Für Hunde und Katzen mit einer schleichenden chronischen Pankreatitis ist die Flüssigkeitstherapie eventuell nicht nötig, doch auch ihr Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt sollte überprüft werden.

Flüssigkeitstherapie bei Pankreatitis

Viele Patienten mit Bauchspeicheldrüsenentzündung sind ausgetrocknet und leiden aufgrund von Durchfall und Erbrechen unter Übersäuerung und Elektrolyt-Ungleichgewichten. Diese Probleme können lebensgefährdend werden und müssen meist mithilfe von Infusionen behandelt werden. Deshalb ist es in der Regel sinnvoll, Patienten mit akuter Bauchspeicheldrüsenenstzündung stationär aufzunehmen.

Schmerzmanagement bei Pankreatitis

Menschen mit Pankreatitis berichten eindrücklich, wie schmerzhaft diese Erkrankung ist und auch Tiere zeigen oft deutliche Schmerzen. Sogar anscheinend schmerzfreie Hunde und Katzen mit chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung zeigen unter Schmerzmitteln oft eine deutliche Besserung des Allgemeinbefindens.

Deshalb sollte jeder Hund und jede Katze mit Pankreatitis eine Schmerztherapie erhalten! Meist werden Opioide (also Morphium-ähnliche) Substanzen zur Behandlung der Pankreatitis-Schmerzen eingesetzt. Sie können zum Beispiel gespritzt werden oder als Pflaster auf die Haut geklebt werden. Auch die Schmerzmedikamente sind ein Grund, weshalb eine stationäre Behandlung oft sinnvoll ist.

Fütterung bei Pankreatitis

Hier haben sich die Empfehlungen der Experten in den letzten Jahren radikal verändert. Während früher jeder Patient mit Pankreatitis mehrere Tage fasten musste, lautet die heutige Empfehlung, so früh wie möglich wieder zu füttern und den Magen-Darm-Trakt möglichst nicht mehr als 24 Stunden ohne Futter zu lassen.

Wie kam es zu diesem Wandel? Die Fastenempfehlung beruhte auf der Beobachtung, dass die Bauchspeicheldrüse weniger Enzyme freisetzt, wenn keine Nahrung im Magen bzw. Dünndarm ist. Allerdings bedeutet ein Nahrungsentzug auch, dass die Darmwandzellen nicht mit Energie versorgt werden, sodass Fasten einen negativen Effekt auf die Darmbarriere hat. Sowohl beim Menschen als auch bei unseren Haustieren konnten verschiedene Untersuchungen nachweisen, dass eine frühzeitige Ernährung die Heilungsrate verbessert.

Deshalb ist man inzwischen dazu übergegangen, die Tiere zu füttern sobald sie nicht mehr ständig erbrechen. Häufig bekommen sie Medikamente, die das Erbrechen (mit den negativen Folgen für Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt) unterbinden und werden in der ersten Zeit über eine Sonde mit energiereicher Flüssignahrung ernährt.

Bei sehr schwerer Pankreatitis empfehlen Experten eine sogenannte "mikroenterale Ernährung", bei der tropfenweise Flüssignahrung über eine Sonde verabreicht wird und der restliche Organismus zusätzlich Energie und Nährstoffe per Infusion erhält (parenterale Ernährung). So können die Darmwandzellen mit Energie versorgt werden, ohne dass die Bauchspeicheldrüse zur Enzymfreisetzung stimuliert wird.

Ernährungssonden werden bei Katzen und Hunden häufig in einer Kurznarkose ohne großen chirurgischen Aufwand gelegt, zum Beispiel als Nasensonde oder als Ösophagussonde (in die Speiseröhre). Magen- oder Dünndarmsonden sind selten nötig. Die Pflege der Sonden ist ebenfalls recht unkompliziert, sodass die Patienten nicht selten mit der Sonde nach Hause gehen und dort weiter versorgt werden können, bis sie selbst ausreichend fressen.

In der Regel kommen zur Sondenfütterung anfangs Instant-Nahrungen für Intensivpatienten zum Einsatz. Zum Anfüttern sind ebenfalls sehr hoch verdauliche Spezialfutter empfehlenswert (Feucht- oder Trockenfutter), die der Magen-Darm-Trakt leicht verwerten kann. Beim Hund sollte darauf geachtet werden, dass das Futter einen niedrigen Fettgehalt aufweist, da fettreiche Nahrung einen Pankreatitis-Schub auslösen kann. Bei Katzen ist dieser Zusammenhang nicht so ausgeprägt, allerdings wird auch hier von sehr fettreichem Futter abgeraten (empfohlen Fettgehalte siehe langfristige Fütterung).

Was muss ich bei der Fütterung meines Hundes/meiner Katze mit Neigung zu Pankreatitis beachten?

Generell versucht man, mit einer optimalen Fütterung die Bauchspeicheldrüse zu entlasten. Verschiedene Maßnahmen haben sich dabei als hilfreich erwiesen:

Häufige Mahlzeiten

So ist es beispielsweise sinnvoll, viele kleine Mahlzeiten am Tag zu füttern statt einer oder zwei großen. Ein Hund mit Pankreatitis sollte etwa 4 Mahlzeiten am Tag bekommen. Katzen hingegen fressen von Natur aus etwa 10 bis 15 winzige Mahlzeiten pro Tag. Wenn Sie nicht gerade den Ganzen Tag zuhause sind, können sie diesen natürlichen Rhythmus nur dann nachahmen, wenn Sie Trockenfutter zur freien Verfügung geben. Feuchtfutter sollten Sie immer frisch in den Napf füllen, damit es hygienisch einwandfrei bleibt. Falls Ihre Katze also nur Feuchtfutter frisst, versuchen Sie am besten vier Mahlzeiten oder mehr am Tag zu ermöglichen.

Versuchen Sie, die Fütterungszeiten und die Mahlzeitengröße so konstant wie möglich zu halten.

Hohe Verdaulichkeit

Je leichter ein Futter verdaulich ist, desto weniger Arbeit muss die Bauchspeicheldrüse bzw. der gesamte Magen-Darm-Trakt aufwenden, um den Ernährungsbedarf des Körpers zu decken. Sehr hohe Verdaulichkeit setzt eine hohe Rohstoffqualität voraus und einen optimalen Produktionsprozess, bei dem die Nährstoffe auf schonende Weise zum Teil bereits aufgeschlossen werden. Auf einer "normalen" Futterverpackung finden Sie keine Angaben zur Verdaulichkeit, gesicherte Angaben hierzu liefern lediglich tierärztliche Spezialdiäten, die für Magen-Darm-Patienten entwickelt wurden. Diese sind sehr hoch verdaulich und gerade für Hunde und Katzen mit chronischer Pankreatitis bzw. wiederkehrender Pankreatitis sehr empfehlenswert.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Eiweißqualität des Futters, denn es sollte nur gerade so viel Eiweiß im Futter sein, wie der Organismus benötigt. Ein hoher Eiweißgehalt steigert die Pankreassaft-Produktion, was man in der Regel vermeiden will. Damit jedoch kein Eiweißmangel entsteht, muss das im Futter verwendete Eiweiß eine hohe "biologische Wertigkeit" haben, also möglichst fast vollständig vom Körper verwertet werden können. Manche Hunde benötigen bei chronischen Problemen eine echte Proteinrestriktion, um die Entzündung in den Griff zu bekommen.

Eine Rohfleischfütterung ist aufgrund dieser Argumente für bauchspeicheldrüsenkranke Tiere also weniger empfehlenswert und auch das von vielen Futterherstellern propagierte Motto "Hoher Eiweißgehalt = besonders gesund und hochwertig" ist bei Pankreatitis (und einigen anderen Erkrankungen) nicht zutreffend. 

Fettarme Fütterung

Für übergewichtige Hunde und Hunde mit erhöhten Blutfettwerten wird ein Fettgehalt unter 10 % in der Trockensubstanz empfohlen, für alle anderen Hunde ein Fettgehalt von weniger als 15 % in der Trockensubstanz. 

Übergewichtige oder an erhöhten Blutfettwerten neigende Katzen sollten ein Futter mit weniger als 15 % Fett in der Trockensubstanz bekommen, Katzen ohne diese Einschränkungen dürfen bis zu 25 % Fett in der Trockensubstanz fressen.

Achtung: Auf der Futterverpackung ist in der Regel der Fettgehalt in der Originalsubstanz angegeben. Diesen müssen Sie unbedingt umrechnen in die Trockensubstanz! Ein Beispiel: Ein Dosenfutter mit einem deklarierten Fettgehalt von 6,5 % und einem Feuchtigkeitsgehalt von 75 % enthält tatsächlich 26 % Fett in der Trockensubstanz!

Da in diesem Beispiel drei Viertel des Doseninhalts Wasser sind, müssen Sie den deklarierten Fettgehalt mit Vier Malnehmen, um den Fettgehalt der Trockensubstanz zu errechnen.

Besonderheiten bei der Ernährung Bauchspeicheldrüsenkranker Katzen

Da Katzen mit Pankreatitis häufig gleichzeitig unter einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung leiden, die durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. Allergien ausgelöst werden, kann es sinnvoll sein, sie auf eine Allergikerdiät zu setzen (z.B. Hills z/d, Royal Canin  Sensitivity Control oder Hills d/d).

 

 

Dr. Hölter und sein Team wünschen Gute Besserung!

Albrecht Pankreatin wird im Dezember 2017 in Albrecht Primazym umbenannt.

Quellen:

Nelson/Couto, Elsevier, 2. Aufl.: Innere Medizin der Kleintiere

Fortbildungsunterlagen Gastroenterologie bei Hund und Katze, Dr. J. Fritz und Dr. S. Unterer, München, Okt. 2013

Vetlife Webinar Pankreatitis und Pankreasinsuffizienz bei Hund und Katze, Dr. R. Neiger und Royal Canin, Okt. 2013

Royal Canin Veterinary Focus 2010, Management der Pankreatitis bei Hund und Katze: Die häufigsten Fehlerquellen

 

 

 

 

Hat Ihnen dieser Beitrag geholfen?

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

 Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Sehr guter Artikel

    Vielen Danke für diesen guten Artikel.
    Bei meinem 8 Jahre alten Kater wurde eine schlimme Bauchspeicheldrüsenentzündung diagnostiziert. Im Gespräch mit der Tierärztin war ich natürlich in erster Linie daran interessiert wie es nun weitergeht und war viel zu aufgeregt für gezielte Fragen.
    In Ihrem Artikel konnte ich nun alles in Ruhe nachlesen und mich informieren.

  • Sehr informativer und hilfreicher Artikel

    Mein Hund hat gestern die Diagnose Bauchspeicheldrüsenentzündung bekommen. Für mich war wichtig zu lesen, dass man den Fettanteil bei Dosenfutter aufgrund des Wasseranteils hochrechnen muss. Sein altes hatte 8 % bei 80 % Flüssigkeitsanteil, also tatsächlich sehr hoch.